album review: die ohrbooten – spieltrieb

09Mai06

ohrbooten.jpg 

vö: 01.08.2005

manchmal muss man einfach auch glück haben.
jahrelang spielten sänger ben und gitarrist matze ihre musik auf den straßen berlins, sie lernten viel dazu, über leben und so, und irgendwann dann noodt und onkel kennen. sie spielten weiter auf der straße, oft auf dem boxhagener platz, und hatten irgendwann einen haufen fans und unterstützer beisammen. und alle wollten die lieder, zu denen man auf der straße partys gefeiert hatte, auch zu hause hören.
also machten sich die jungs auf die suche nach einem label. nur trauten die majors sich nicht, eine band unter vertrag zu nehmen, die man womöglich in weiten teilen des landes nicht versteht – der dialekt war ihnen suspekt. irgendwann gab dann bens freundin ihrer mitbewohnerin das demo der ohrbooten in die Hand, und die gab es wiederum ihrem freund. und da der was zu sagen hat, er ist nämlich campino, fanden die jungs mir nichts, dir nichts, einen plattenvertrag des tote-hosen-labels jkp in ihrer tasche. so weit die legende. was ist dabei herausgekommen?
los geht’s ziemlich entspannt mit ich glaube, eine angenehm kurze, fast ruhige nummer, die den stil der jungs (sie selbst haben eine eigene schublade für sich aufgemacht und nennen sie kurzerhand gyp hop) schön beschreibt. nach einem nahtlosen übergang zu stadtkind (hier sei ben der ausdruck „b-town“ ein letztes mal verziehen) geht es weiter mit dem allseits bekannten an alle ladies. wenn ein lied sommer ist, dann wohl dieses. sommerlaune gibt es gratis dazu auch bei track nr. 5, autobahn, bei dem ben mit johnny strange von culcha candela um die wette reimt. saugeile nummer zum autofahren und im stau stehend, lauthals mitgrölend, sich vor den anderen autofahrern zu blamieren.
es folgt das vollkommen kranke müde krieger, lasst euch nicht von den ersten takten täuschen, das hier ist kein süßes liebeslied… lieblingsstelle: ben: “liebe heißt verständnis, das sollten wir verstehen“ und im hintergrund hört man ein erstauntes „ach so…!“
dann eurosemy body was trying to say that you better stop drinking brandy… verdammt, geklaut, aber klingt dufte. Vor allem der abschluss des songs vermittelt einem einen sehr guten eindruck davon, was die jungs musikalisch drauf haben, wie vielfältig sie sind. weiter geht’s mit junge dame, einem der (low says) „schönsten liebeslieder, die ich kenne“,  und tschüss! und endlich der fetenknaller dschungelpartei, in dem sie die gesamte meute aus dem so36 von ihrem konzert im märz 05 verewigen. da tanzt der zoo, meine herren!
dann kommt auch schon zur beruhigung der gemüter taub, das einzige langsame stück der platte, das auch stilistisch völlig aus dem rahmen fällt. der wunderschöne text stammt als einziger nicht von ben, sondern von noodt, der sound erinnert stark an thomas d.s solonummern und die stimmung des songs ist perfekt. mit kommen und gehen kommt der wermutstropfen des albums und geht ein halber stern flöten. zu viel pathos für meinen geschmack. sorry, aber das war wohl nichts.
entschädigt wird man aber umgehend durch die schnelle abschlussnummer politix – wenn man mal richtig den bauch voll wut hat, weil man z.b. gerade wieder sabine christiansen geschaut hat – einfach laut aufdrehen!
fazit: durch die „wir machen alle alles gleichzeitig und jeder darf mitmachen“-aufnahmetechnik haben sie das geschafft, worauf die meute gehofft hatte – die stimmung von der straße auf die cd zu bringen. und ja, ich bin euphorisch, habe solche local heroes schon immer geliebt und werde dank solcher platten wieder 15. wenn die Jungs in der bravo stehen würden, ich würde sie mir wieder kaufen. und ach: wenn die ohrbooten in eurer stadt spielen, geht hin. ihr würdet sonst wirklich einen grandiosen abend verpassen.

bewertung: *** ½ (halber stern abzug für kommen und gehen)
anspieltip: track 5 autobahn
für hörer von: culcha candela, seeed, p.r. kantate etc.

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3 Responses to “album review: die ohrbooten – spieltrieb”

  1. 1 Matze

    ey ja, „Kommen&Gehen“ ist n saugeiles Lied, hat sehr viel Tiefe und ist neben nem schönen „meerchen“ einer meiner konzertlieblingsenden.
    Danke für die schöne Kritik!! Und von wem ist nochmal das Original von Eurose?
    Cheers vom Ohrbootenklampfer

  2. 2 Frida

    gern geschehen 🙂
    wie cool is das denn, hast du dich hergegooglet?
    „too much brandy“ – is von the streets.

    lg frida

  3. 3 Lea

    kommen und gehn passt nicht ganz in das image der partey-ohrbooten, ist aber ein wundreschönes lied wenn man sich die zeit nimmt, es zu hören und über den text nachzudenken…da steckt ganz schön viel dahinter…
    aber sonst ne echt gute kritik meiner meinung nach, du sprichst mir aus der seele =D
    beste grüße


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